Skip to main content

A-eros-dynamik

Der Nachwuchsbereich hat sie am meisten geprägt, teilt Lisa mit uns. Ihre Leidenschaft zu leben, die Disziplin, das Durchhalten, das alles war eine Selbstverständlichkeit. Mit Training, Talent und einer gewissen Leichtigkeit – dem Spaß am Sport – arbeitete sie sich schon in jungen Jahren ganz nach oben. Unzählige Medaillen bei deutschen Meisterschaften sowie Teilnahmen an Weltmeisterschaften auf der Straße und der Bahn, und Olympia vor Augen.

Doch durch signifikante Veränderungen in ihrem familiären Leben sowie im Umfeld an der Sportschule in Erfurt, veränderte sich die Art und Weise, die Leichtigkeit, mit der sie ihren Sport bisher erlebte. Plötzlich auf sich alleine gestellt, wurden ihr prägende Charakteristika ihres bisherigen Lebens bewusst: “bisher habe ich nur funktioniert, aber ich habe mich selbst gar nicht gekannt”. Ihre Identifizierung war rein die als Radsportlerin.

Stagnationen im hohen Anspruch an sich selbst, Selbstzweifel und Ängste kamen auf, die sie zuvor gar nicht gekannt hatte. Angst davor, bei einer Weltmeisterschaft “nur” Vierte zu werden, Angst vor dem Schlusssprint bei jener Weltmeisterschaft, Angst vor Konfrontation, vor Vergleichen. Ein DM-Titel im Punktefahren war plötzlich nichts mehr wert. Selbstzweifel ”noch dahin zu gehören” – bei der Vorbereitung zum Bahn WM 4er fragte sie sich: „Was mache ich hier?”. 

Nach dem Abitur in die Sportfördergruppe der Bundeswehr einzusteigen, verringerte ihre persönliche Stagnation nicht, sondern erhöhte letztendlich ihre Unzufriedenheit nicht voranzukommen. Nachdem ihr von oberster Stelle deutlich gemacht wurde, dass sie ihren Beruf als Leistungssportlerin ausführen “muss” und Sport als Beruf auch “keinen Spaß machen muss”, wurden ihr die Auswirkungen dessen klar, was es für sie hieß, ihr Leben nach dem Radsport auszurichten: “von außen bestimmt zu werden”. “Du steckst fest im System und alle reden dir rein.” Wer bestimmte, war der Andere.

Nach diesem Augenblick des Sehens nahm Lisa konsequent eins: Abstand. Und von ihrem sportlichen Umfeld, vor allem von jenen Anderen, die zuvor ihr Dasein als Sportlerin maßgeblich bestimmt hatten, bekam sie einen Stempel auf die Stirn: Gescheitert. 

Fallen gelassen, hat sie selber losgelassen. “Am Boden zu sein, war eine Befreiung”. Es gab keine Ansprüche mehr, kein Reinreden, kein “müssen”. Nichtsdestotrotz war dieser Boden hart und kalt. “Ich hatte nie Hilfe” und gleichzeitig die existenzielle Aufgabe “mich wieder ganz zu finden”. Dabei hat sie gelernt sich “selbst zu akzeptieren, meine eigenen Instinkte zu finden und auf sie zu hören” und sich zudem alles neu aufzubauen. “Am Ende hat es Sinn gemacht”, denn jetzt “hat mir keiner mehr reingeredet und ich konnte wählen, mit wem ich wie zusammenarbeiten wollte”. Auf die Frage, warum sie mit dem Radsport weitergemacht hat, antwortet Lisa: “Entweder voll oder gar nicht. Ich mache es aus dem Herzen, es ist meine Leidenschaft”. So arbeitete sie sich vom Leiden zum schaffen.

Und sie kam zurück – unabhängig, dankbar für die Lehren, und mit oftmals besseren Leistungen als zuvor. Nun stand wieder das im Mittelpunkt, was für sie den Radsport ausmacht. “Meine eigenen Ansprüche zu erfüllen, war mir letztendlich wichtiger als Olympia”. Sie hat sich davon verabschiedet, die Ansprüche Anderer erfüllen zu wollen oder gar zu müssen.

Nun, nach ihrer Karriere als Profisportlerin, fördert sie das, was ihr wichtig ist: der Leistungssport im Nachwuchsbereich. Dafür hat Lisa ihren eigenen Verein gegründet und setzt dort das um, wovon sie selbst als Person überzeugt ist. Hier führt sie “ihre selbsterbaute Welt fort, mit Leidenschaft und im respektvollen Miteinander mit den Anderen”. Zudem ist sie als Trainerin für Aerodynamik auf der Bahn tätig. A-eros-dynamik. Eros, der Lebenstrieb nach Freud. Und so hält Lisas Lebenstrieb weiter Geschwindigkeit. 

 

Hier findet ihr mehr zu Lisas Aerodynamik Trainingsangeboten:

FMcoaching.de und fmaero.de