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“Psychische Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit gehören zusammen”

Mit einem Lächeln im Gesicht erzählt uns Franzi: “Den Traum vom Profisport hatte ich eigentlich nie, ich habe mich einfach sehr schnell entwickelt”. Durch ihr Talent und das konsequente Training fuhr Franzi seit dem Start ihrer Karriere im Radrennsport beachtliche Erfolge ein, die, zusammen mit “dem Antrieb, immer besser zu werden, ihr Ansporn waren, weiterzumachen”. Drei Jahre in Folge gewann sie Medaillen bei den Weltmeisterschaften im Einzelzeitfahren auf der Bahn. Erst Bronze, dann Silber und schließlich Gold.

2021 war es dann soweit, was für viele Sportler nur eine Hoffnung ist, wurde für Franzi zur Realität: sie durfte im Bahn-4er für Deutschland bei den Olympischen Spielen starten. “Wir sind ganz ohne Druck an den Start gegangen – ohne in einer Favoritenrolle zu sein – und so sind wir gleich in der Qualifikation Weltrekord gefahren.” Was für sie das Geheimnis hinter der Leistung bis ins Finale war, ist, dass sie ”mental absolut befreit gefahren sind”. 

“Danach war der Druck natürlich ein anderer, denn nun wurde davon ausgegangen, dass wir immer gewinnen – aber am Ende macht man sich den Druck ja nur selbst.” Damit sprach Franzi aus, was auch die Psychoanalyse lehrt: Der “Andere” existiert nicht, jedoch seine ethischen Komitees, schreibt Jacques-Alain Miller. Jede Person ist immer selbst für den Diskurs, den es in seinem Inneren zulässt, verantwortlich. Der Schlüssel liegt darin, zu analysieren, woher der Diskurs kommt, den man mit sich selbst führt und wie man ihn in den eigentlichen, eigenen Diskurs verwandeln kann, der nur einem selbst entspricht.

Zur psychischen Gesundheit im Leistungssport hat Franzi eine klare Position: “Es ist wichtig, dass man darüber spricht. Denn die psychische Gesundheit ist mindestens genauso wichtig wie die körperliche Gesundheit, es gehört beides zusammen.” Franzi erzählt uns, dass es heutzutage “normaler” wird, über die psychische Verfassung und Gesundheit zu sprechen, was zuvor “verpönt war und als Schwäche angesehen wurde”. In der Nationalmannschaft haben sie Unterstützung durch einen Sportpsychologen, auch in den World Tour Teams wird der Diskurs über psychische Gesundheit und deren Unterstützung offener. “Leistungsdruck, Selbstbewusstsein und Angst sind Themen, die sehr viele Sportler beschäftigen, und das sportartenübergreifend”.

Jedoch, so Franzi, passt nicht eine Lösung, in Form einer zugeschriebenen Person, zu allen Sportlern gleich. “Es ist voll individuell und jeder muss seinen eigenen Weg finden”. Sie erzählt uns, dass viele Sportler in ihrem Umfeld privat, außerhalb des Systems, „mit Sportpsychologen oder mentalen Trainern zusammenarbeiten“, denn ”ohne psychische Gesundheit, erreicht man nicht das, was man sich vorgenommen hat”.

Neben ihrer Karriere als Profisportlerin ist Franzi die Athletensprecherin des Kaders der deutschen Nationalmannschaft der Frauen. Ihre Karriere möchte sie “so lange fortführen, wie es mir Spaß macht”, denn das Privileg, ihr Hobby zum Beruf machen zu können, ist ihre größte Motivation. Dennoch hat sie auch schon Pläne für danach: “Ich möchte als Trainerin etwas zurückgeben und meine Erfahrungen weitergeben, ein Vorbild sein.” Authentisch und stark wie Franzi ist, wird sie mit Sicherheit auch dieses Ziel meisterhaft erreichen.